ROAD EFFICIENCY – „Das ist ein ganzheitliches Konzept“

Mit Road Efficiency will Mercedes-Benz eine neue Ära der Nutzung im Nutzfahrzeugbereich starten. Doreen Laubsch, Managing Director Mercedes-Benz Trucks Austria sprach mit CR Hans-Joachim Schlobach über “Road Efficiency”, den Wandel in der Nutzfahrzeugbranche und was das mit Uptime und FleetBoard zu tun hat.

BLOGISTIC.NET: Mit Road Efficiency ist Mercedes Benz bereits im Vergangenen Jahr auf der IAA gestartet. Dabei baut das Konzept auf drei Säulen auf: Niedrige Gesamtkosten, hohe Sicherheit und hohe Fahrzeugnutzung. Hier setzt man u.a. auch auf sparsamere Motoren. Das ist aber, was man vom Erfinder des Lkw ohnehin erwartet. Was verbindet Mercedes-Benz mit dem Begriff Road Efficiency?
Laubsch: Mit Road Efficiency führt Mercedes-Benz nicht einen neuen Dienst oder ein neues Produktfeature ein, sondern legt den Fokus auf ein gesamtheitliches Geschäftsverständnis und setzt damit ein neues Rollenverständnis im Truck Business um.

BLOGISTIC.NET: Was ist daran so richtig neu?
Laubsch: Einerseits ist Road Efficiency das Schlagwort unter dem wir den gesamtheitlichen Ansatz im Truck Geschäft beschreiben. Wir sehen also nicht nur einzelne Bausteine wie ein Produkt, eine Dienstleistung oder Connectivität, sondern wir bilden damit das Zusammenspiel all dieser Themen im Kundenalltag ab. Andererseits wollen wir gerade das Zusammenspiel all dieser Bereiche konsequent weiterentwickeln und damit den Kundenutzen steigern, indem wir den Aufwand, den ein Anwender mit seinem Fahrzeug oder seiner Fahrzeugflotte hat, dramatisch reduzieren. Unser Ziel ist es, dass sich unsere Kunden auf ihr eigentliches Kerngeschäft konzentrieren können. Wir sehen uns daher nicht mehr als reinen Fahrzeuglieferanten, sondern als Systempartner für den Kunden.

BLOGISTIC.NET: Sie verknüpfen also Ihr Know-how im Nutzfahrzeugbereich mit den Zielen Ihrer Kunden, möglichst gute Leistungen zu erbringen….
Laubsch: Richtig! Deshalb ist Road Efficiency ein gesamtheitlicher Ansatz zur Effizienzsteigerung. Dieser Ansatz konzentriert sich im ersten Schritt auf die drei Säulen: Niedrige Gesamtkosten, hohe Sicherheit und hohe Fahrzeugnutzung.

Road Efficiency ist ein gesamtheitlicher Ansatz zur Effizienzsteigerung. Dieser Ansatz konzentriert sich im ersten Schritt auf die drei Säulen: Niedrige Gesamtkosten, hohe Sicherheit und hohe Fahrzeugnutzung. Doreen Laubsch, Managing Director Mercedes-Benz Trucks Austria

BLOGISTIC.NET: Wir wollen Sie diese Effizienzsteigerungen erreichen?
Laubsch: Beispielsweise durch das senken von Betriebskosten der Fahrzeuge, etwa durch geringeren Ressourcenbverbrauch. So hat Mercedes-Benz als erster Hersteller die sparsamen Euro VI Motoren eingeführt und bereits mehrfach weiter entwickelt. Der Actros beweist aus unserer Sicht dabei seine Führungsrolle in puncto Kraftstoffeffizienz immer wieder aufs Neue. In unseren Fuel Duels stellt er sich regelmäßig dem Wettbewerb in ausgewählten Fuhrparks und hat bisher in Österreich in nahezu 100 Duellen mit einem Verbrauchsvorteil von durchschnittlich mehr als neun Prozent überzeugt.

BLOGISTIC.NET: Die beiden anderen Säulen befassen sich mit den Themen Sicherheit und Hochverfügbarkeit der Geräte. Können Sie das kurz erläutern?
Laubsch: Zum Thema Sicherheit haben wir gleich zwei neue Assistenzsysteme auf den Markt gebracht: So warnt der ABA 4 den Fahrer als weltweit erstes System seiner Art vor einer Kollision mit bewegten Verkehrsteilnehmern wie Fußgängern oder Radfahrern und leitet zusätzlich automatisch eine Teilbremsung ein. Dadurch hat der Fahrer die Möglichkeit, durch eine Vollbremsung oder ein Lenkmanöver die Kollision zu vermeiden. Als erster LKW-Hersteller bietet Mercedes-Benz Trucks zudem einen Abbiege-Assistent mit Personenerkennung. Dieser arbeitet dabei mehrstufig. Befindet sich ein bewegliches oder stehendes Objekt in der seitlich auf der Beifahrerseite angeordneten Überwachungszone, wird der Fahrer zunächst optisch informiert. Bei Kollisionsgefahr erfolgt eine zusätzliche optische und akustische Warnung.

Wir meinen mit Hochverfügbarkeit die „hohe Fahrzeugverfügbarkeit“. Hierfür haben wir kürzlich unsere Service-Innovation Mercedes-Benz Uptime auf den Markt gebracht. Doreen Laubsch, Managing Director Mercedes-Benz Trucks Austria

BLOGISTIC.NET: Hochverfügbarkeit ist ein Begriff, der gerne in der IT oder in der Intralogistik verwendet wird. Was bedeutet das bei Ihnen?
Laubsch: Wir meinen mit Hochverfügbarkeit die „hohe Fahrzeugverfügbarkeit“. Hierfür haben wir kürzlich unsere Service-Innovation Mercedes-Benz Uptime auf den Markt gebracht. Damit beginnt bei uns ein neues Zeitalter in der Service-Betreuung unserer LKW. Erstmalig können damit nämlich Fahrzeugdaten in Echtzeit analysiert werden. Die Innovation dabei ist, dass einerseits anhand von Parameterabweichungen Fehler vorhergesagt werden und auf diese weise vor ihrem tatsächlichen Eintritt eine proaktive Reaktion erlaubt. Andererseits ist daran neu, dass wir nicht mehr nur über Fehlercodes sprechen, sondern das System automatisiert konkrete Handlungsempfehlungen meldet. Diese sind sowohl für die Werkstätten als auch für den Fahrer und die Fuhrparkverantwortlichen verständlich formuliert. Uptime maximiert somit die Verfügbarkeit und Planbarkeit der Fahrzeuge. All diese Maßnahmen erhöhen letztlich die Fahrzeugnutzung und tragen somit zu einer optimierten Effizienz der Fuhrparks bei.

BLOGISTIC.NET: Welche Voraussetzungen muss ein Flottenbetreiber mitbringen, damit er Road Efficiency für sich nutzen kann? Reicht es einfach aus, einen Mercedes-Lkw zu kaufen?
Laubsch: Grundsätzlich erhalten Sie die neuen Mercedes-Benz LKW bereits serienmäßig mit einer Road Efficiency Grundausstattung. So sind alle zum Beispiel mit unseren Euro 6-Motoren ausgestattet. Um das volle Potential jedoch ausschöpfen zu können, müssen die LKW mit dem Truck Data Center und dem Safety Pack ausgestattet sein. Eine weitere Steigerung der Effizienz ist im Sicherheitsbereich durch die Hinzuwahl des Abbiege-Assistenten und am Sektor Kraftstoffverbrauch durch den vorausschauenden Tempomat PPC möglich.

(Foto: RS Media World)
D. Laubsch: „Uptime ist eigentlich ein Dienstleistungsvertrag, den ein Kunde mit Mercedes-Benz schließt.“ (Foto: RS Media World)

BLOGISTIC.NET: Und wie hängt das mit Uptime zusammen?
Laubsch: Uptime ist eigentlich ein Dienstleistungsvertrag, den ein Kunde mit Mercedes-Benz schließt. Damit sichern sich unsere Kunden das derzeit am Markt einzigartige Service-Management-Angebot oder schlicht und einfach den Eintritt in die Service 4.0 Welt von Mercedes-Benz. Diese Dienstleistung ist mit der Fehlerfrüherkennung und der Möglichkeit, in einzelnen Fällen Liegenbleiber vorauszusagen und im besten Fall zu vermeiden, aktuell einmalig im LKW Bereich

BLOGISTIC.NET: Wir groß muss der Fuhrpark für uptime sein?
Laubsch: Uptime ist komplett unabhängig von der Fuhrparkgröße.

BLOGISTIC.NET: Häufig sind doch Lkw-Flotten sehr heterogen. Der Kauf eines Mercedes-Benz-Fahrzeuges trägt ja dann nicht wirklich zu mehr Road Efficiency dabei?
Laubsch: Doch, weil jeder neue Mercedes-Benz-LKW mit einem Grundpaket Road Efficiency ausgestattet ist. Weiters bieten wir Dienstleistungen zum Beispiel in der Telematik auch markenübergreifend an. So kann FleetBoard in jedem LKW in Abhängigkeit der Daten, die an der Telematikschnittstelle zur Verfügung stehen, eingesetzt werden. Wir haben schon heute bei großen Fuhrparks erfolgreich FleetBoard auch in anderen LKW´s verbaut.

 BLOGISTIC.NET: Sie sprachen kurz die Digitalisierung und Industrie 4.0 an und im Road Efficiency-Gesamtkonzept sehe ich diese Themen gerade in den Bereichen Telematik und Connectivity verortet, welche zu einer effizienten Nutzung des Fahrzeugs führen sollen. Was bedeutet Road Efficiency im Hinblick auf die Telematik und Connectivity?
Laubsch: Konnektivität ist seit 2013 fester Bestandteil der Mercedes-Benz Strategie, denn der smarte, sich selbst optimierende Truck, hat für Mercedes-Benz höchste Priorität. Es wurden große Entwicklungsbudgets in die Vernetzung der LKW und die Schaffung der zugehörigen Dienstleistungen und digitalen Lösungen investiert. Denn die vernetzte Kommunikation des LKW mit anderen Fahrzeugen und seiner Umwelt verbessert den Verkehrsfluss, reduziert den Kraftstoffverbrauch und damit die Emissionen. Intelligente LKW tragen dazu bei die Anzahl der Verkehrsunfälle zu reduzieren. Das ist ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zum unfallfreien Fahren. Das neue Truck Data Center ist ein Ergebnis dieser Strategie. Damit ist der Kunde „ready“ für Mercedes-Benz Uptime aber auch für sämtliche Fragestellungen rund um Connectivity und Telematik.

BLOGISTIC.NET: Mercedes Benz startet jetzt in Österreich mit Road Efficiency. Was muss in Österreich noch passieren, damit Road Efficiency auch hierzulande richtig greift?
Laubsch: Nachdem Road Efficiency ja nicht ein klassisches Feature darstellt, werden sich die Inhalte ständig weiterentwickeln und immer wieder neu erfinden. Wichtig ist uns aber, dass die Kunden und die Branchen den Nutzen aus den verschiedenen Möglichkeiten und die damit verbundenen Chancen erkennen und die verschiedenen Themen offen annehmen und in den Einsatz bringen. Dann ist die Basis gelegt, dass wir Road Efficiency gemeinsam mit unseren Kunden und Partnern erfolgreich weiterentwickeln.

BLOGISTIC.NET: Vielen Dank für das spannende Gespräch.

mercedes-benz.at

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