TOYOTA – „Sind Teil fundamentaler Veränderungen“

Seit zehn Jahren treten Toyota Material Handling Österreich und BT unter einer Marke auf. Seither hat sich das Unternehmen zum Lösungsanbieter gewandelt, der Flurförderzeugtechnik, Logistikautomation und IT integriert. Die Zukunft der Branche wird dabei von der Digitalisierung und Industrie 4.0 bestimmt. Martin Grau, Geschäftsführer der Toyota Material Handling Österreich im Gespräch mit BLOGISTIC.NET über die Zukunft der Branche und den weltweiten Marktführer in Sachen Intralogistik.

(Foto: RS Media World Archiv / Toyota)
Martin Grau, CEO Toyota Material Handling Austria (Foto: RS Media World Archiv / Toyota)

BLOGISTIC.NET: Seit zehn Jahren treten Toyota Material Handling und BT als eine Marke auf. Was stand 2007 für Sie dabei im Fokus?
Grau: 2007 war geprägt von großen Umwälzungen und Restrukturierungen. BT als starkes Unternehmen im Direktvertrieb mit eigenem Servicenetz und Tyota MH, deren beider Erfolg vor allem auf dem Geschäft mit unabhängigen Händlern beruhte, sollten zu einem neuen Unternehmen werden. Jeder, der schon einmal einen solchen Merger durchlebt hat, weiß wie schmerzhaft, aber auch wie befreiend ein solcher Prozess für jeden Einzelnen sein kann. Die Herausforderungen waren groß, aber wir haben es gemeinsam geschafft. Heute fühlen sich alle als Teil eines großen Ganzen. Das merken auch unsere Kunden.

BLOGISTIC.NET: Was waren und sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Weichenstellungen?
Grau: In den Jahren 2008 und 2009, auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise, ging der Gesamtabsatz bei Flurförderzeugen in ganz Österreich um mehr als 40 Prozent zurück. Das war für die gesamte Branche eine echte Herausforderung, die zum Beispiel bei uns dazu führte, dass wir vieles im Unternehmen hinterfragten. Ich bin daher davon überzeugt, dass wir in dieser Zeit das Fundament für den heutigen Erfolg legten. Wir haben zwar gewissenhaft hinterfragt, aber nicht alle unsere mittel- und langfristigen Strategien über Bord geworfen. Wir haben in vielen Bereichen Kurs gehalten, wo es gut war, und „Muda“ beseitigt (Muda = japanisch für „Schmutz“), wo es notwendig war.

Wir sind Teil fundamentaler Veränderungen von Wirtschaft und Gesellschaft und erleben disruptive Entwicklungen, die nicht erst mit der damaligen Krise begannen.

BLOGISTIC.NET: Was waren für Sie dabei die Highlights?
Grau: Wir sind Teil fundamentaler Veränderungen von Wirtschaft und Gesellschaft und erleben disruptive Entwicklungen, die nicht erst mit der damaligen Krise begannen. Wir haben daher die Krisenzeit dazu genutzt, eine ganze Reihe von Modernisierungsinvestitionen in unsere beiden österreichischen Standorte Wr. Neudorf und Marchtrenk zu tätigen. Auch haben wir stark auf Zusatzqualifikationen unserer Mitarbeiter gesetzt. So konnten wir sofort reagieren, als die Nachfrage wieder anstieg, die Anforderungen sich an uns als Lösungsanbieter jedoch stark veränderten. Seit der Krise sind unsere Kunden mit der Volatilität ihrer eigenen Märkte konfrontiert. Und die erfordern von uns wiederum adäquate Lösungen. Wir haben uns gut darauf vorbereitet. Deshalb konnten wir auch unsere Umsätze, Marktanteile sowie unsere Ergebnisse bis heute ständig verbessern. Entscheidend war dabei aber auch unser Einstieg in die Logistik-Automatisierung. Hier ist das jüngste Highlight die Akquisition des holländischen Unternehmens VANDERLANDE durch unsere Konzernmutter TICO.

BLOGISTIC.NET: Wie wirkt sich das konkret für Toyota MH in Österreich heute aus?
Grau: Damit können wir jetzt weitere Akzente als Intralogistik-Systemanbieter setzen. Aber in Wahrheit ist es nicht das eine Highlight, das uns erfolgreich macht, es ist eine kontinuierliche Entwicklung, die ständige Verbesserung unserer Prozesse, Leistungen und Services und die ständige Neuausrichtung an die volatilen Marktanforderungen. Dabei können die Verbesserungsschritte noch so klein sein, der Weg ist das Ziel.

M. Grau: „Toyota Material Handling ist langfristig orientiert und die japanische Firmenphilosophie zielt nicht auf den kurzfristigen Erfolg“ (Foto: RS Media World Archiv / Toyota)

BLOGISTIC.NET: Es geht also um langfristige Perspektiven?
Grau: Ja! Toyota Material Handling ist langfristig orientiert und die japanische Firmenphilosophie zielt nicht auf den kurzfristigen Erfolg. Dies ist zwar weniger spektakulär, für das Unternehmen ist diese Philosophie jedoch gesünder. Es macht nämlich weniger anfällig für Krisen.

BLOGISTIC.NET: Worum geht es Ihren Kunden in Industrie, Handel und Dienstleistungssektor heute?
Grau: Die Märkte haben sich grundlegend gewandelt. Die Kunden wollen Lösungsanbieter für Systeme, mit denen sie ihre interne Logistik vom Wareneingang bis hin zur Auslieferung und darüber hinaus bewältigen können. In solchen Systemen spielen unsere Stapler, Flurförderzeuge, Kommissioniergeräte usw. natürlich eine wichtige Rolle, aber entscheidend ist das Gesamtkonzept.

BLOGISTIC.NET: Was erwartet der Kunde heute und morgen von Toyota MH Österreich?
Grau: Der Kunde möchte sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren. Dafür benötigt er einen verlässlichen Partner, der nicht nur ein qualitativ hochwertige Lösungen und Services liefert, sondern auch individuelle und innovative Denkansätze mitbringt.

BLOGISTIC.NET: Wie reagieren Sie auf diese Erwartungshaltung?
Grau: Wir stellen hohe Ansprüche an uns selbst und an unsere Umgebung. Einer der Schlüssel für den langfristigen Erfolg liegt daher, bei aller Wertschätzung für effiziente Prozesse und die hohe Produktqualität, vor allem bei den Mitarbeitern. Schlussendlich sorgt nämlich noch immer der Faktor Mensch für den entscheidenden Unterschied, denn die beste Technologie bringt keinen Erfolg, wenn sie falsch eingesetzt wird. Darum haben die Einstellung neuer qualifizierter Mitarbeiter sowie deren Weiterbildung seit jeher für uns die höchste Priorität. Toyota Material Handling ist seit 17 Jahren weltweit die Nr. 1 in dieser hart umkämpften Branche. Und die bleibt man als Premium-Anbieter nur, indem man nicht nur die Erwartungen seiner Kunden erfüllt, sondern den entscheidenden Schritt mehr tut. Das ist Teil unseres Prinzips, das unter dem Namen „Kaizen“ von Toyota entwickelt wurde: „Nichts ist so gut, dass es nicht noch verbessert werden kann“.

Die richtige Personalauswahl stellt sicher, dass wir uns mit Mitarbeitern umgeben, die sauber und verlässlich arbeiten und hochprofessionell agieren.

BLOGISTIC.NET: Noch einmal zurück zur Übernahme von VANDERLANDE in die Toyota-Familie. Was bedeutet dieser Schritt Ihrer Meinung nach für die Branche? Stichwort Konsolidierung, Kundenbedarf, Produktentwicklung?
Grau: VANDERLANDE gehört zu den weltweit führenden Unternehmen für die Prozessautomation im Lagerbereich, insbesondere an Flughäfen sowie im Paketbereich. Toyota Material Handling ist das weltweit führende Unternehmen im Bereich Flurförderzeuge mit stark steigendem Wachstum auf dem Gebiet der Automatisierung für den innerbetrieblichen Transport. Somit gibt es eine Reihe von Synergien, die hier gehoben werden können. VANDERLANDE bringt ein gewaltiges Knowhow im Projektgeschäft mit, Toyota Material Handling hat eine jahrzehntelange Erfahrung im Einzel- und Mengengeschäft. Somit ergibt sich eine perfekte Ergänzung beider Kompetenzen, um das Spektrum der Kundenanfragen besser bedienen zu können und langfristig in diesem Wachstumsmarkt zu bestehen und erfolgreich zu sein.

BLOGISTIC.NET: Verlässlichkeit ist einer der Kernwerte Ihres Unternehmens. Was verstehen Sie darunter und wie stellt Toyota diesen sicher?
Grau: Verlässlichkeit wird durch mehrere Faktoren sichergestellt. Die richtige Personalauswahl stellt sicher, dass wir uns mit Mitarbeitern umgeben, die sauber und verlässlich arbeiten und hochprofessionell agieren. Das Toyota-Produktionssystem (TPS) ist das in allen Werken dominierende Fertigungsprinzip, dass vor allem darauf ausgerichtet ist, zuverlässige Qualitätsprodukte effizient herzustellen. Unsere fünf Leitlinien des TOYOTA WAY – TEAMWORK, RESPECT, KAIZEN, GENCHI GENBUTSU, CHALLENGE – bilden einen zusätzlichen Rahmen, um Verlässlichkeit im Unternehmen einzufordern und sicherzustellen.

BLOGISTIC.NET: Werden sich Anforderungen in Anbetracht der anstehenden Entwicklungen ändern? In welche Richtung?
Grau: Heute können Sie keine Messe oder Tagung mehr besuchen, ohne dass Sie in irgendeiner Form mit Schlagwörtern wie „Industrie 4.0“, „Resilienz“, „Automatisierung“, oder „Digitalisierung“ konfrontiert werden. Dass sich aufgrund dieser Trends und Entwicklungen das Anforderungsprofil von Unternehmen und Mitarbeitern ändert, ist selbsterklärend. Wir sehen jedenfalls einen stark steigenden Bedarf unserer Kunden in diese Richtung. Das Segment der Automatisierung ist der am stärksten wachsende Bereich in unserem Unternehmen. Aus heutiger Sicht ist noch lange keine Abkehr dieses Trends zu erkennen – im Gegenteil, er wird sich eher noch verstärken.

BLOGISTIC.NET: Vielen Dank für das Gespräch.

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