RI-LADETECHNIK – Ein Schritt zur Nachhaltigkeit

Blei-Säure-Batterien sind bei Elektro-Staplern noch immer die führende Antriebstechnologie und werden das auch bleiben. Unternehmen suchen daher nach Möglichkeiten, in diesem Segment Ressourcen zu sparen und die Aggregate langlebig zu machen. Die französische FM Logistic schafft das in seinem Werk in Polen mit Hilfe von Ri-Ladetechnik aus Österreich.

(Foto: RS Media World Archiv / Roland Ferrigato)
Blei-Säure-Batterien bleiben mittel- bis langfristig weiter die führende Antriebstechnologie im Lager. (Foto: RS Media World Archiv / Roland Ferrigato)

Obgleich die Li-Technologie in ihren verschiedensten Ausformungen bei den Antrieben etwa von Gabelstaplern und Flurförderzeugen im Vormarsch ist, gilt die Blei-Säure-Batterie mittel- bis langfristig nach wie vor als die führende Antriebstechnologie im Lager. Ein Grund dürfte die extrem langzeiterprobte Technologie selber sein, die seit über 100 Jahren dafür sorgt, dass Fahrzeuge vorankommen. Schon Ferdinand Porsche setzte diese Technologie in seinem Hohner-Porsche ein, der als erstes Elektro-Automobil gilt, und dort für erstaunliche Geschwindigkeiten und Reichweiten sorgte.

Blei-Säure-Batterien wurden so weiter entwickelt und die Stapler derart energieeffizient, dass damit sogar bis zu zwei Schichten im Vollbetrieb gefahren werden können.

Blei-Säure mit Schwachstellen

Der Nachteil der Blei-Säure-Technologie für die Automobilindustrie ist ihr Gewicht und ihr deutlich geringerer Wirkungsgrad gegenüber modernen Antriebstechnologien wie etwa die Li-Technologie. Was jedoch im Automobil-Bereich ein Nachteil ist, nämlich das Gewicht, ist im Bereich der Flurförderzeuge und Stapler ein Vorteil. Etwa bei Gegengewichtsstaplern können die Konstrukteure der Geräte auf die künstliche Verschwerung der Fahrzeuge verzichten und die Batterien als Gewicht nutzen. Statische Probleme, die mit den viel leichteren Li-Technologien zwangsläufig auftreten, lassen sich damit elegant lösen. Und mittlerweile wurden die Blei-Säure-Batterien so weiter entwickelt und sind die Stapler derart energieeffizient, dass damit sogar bis zu zwei Schichten im Vollbetrieb gefahren werden können.

(Foto: RS Media World Archiv / Fronius)
(v.l.) M. Kaleja (Fronius), M. Gajek (FM Logistic) im FM Logistic-Werk in Polen (Foto: RS Media World Archiv / Fronius)

Komplexer Ladeprozess. Eine weitere Schwachstelle der Blei-Säure-Batterie ist ihr Ladeprozess. Dieser ist im Vergleich zur Li-Technologie wesentlich komplexer und der Anwender muss genaue Ladeprozesse einhalten, damit die Batterien lange halten. Eine Zwischenladung an der Steckdose, die mit Li-Batterien problemlos möglich ist, ist für Blei-Säure-Batterien schädlich und verkürzt deren Lebensdauer. Ein Grund ist hier der bekannte Memo-Effekt einerseits und andererseits die Gefahr von Überladung der Batterien, weil herkömmliche Ladetechnologien nicht auf den Aggregatszustand der Batterie eingehen.

Ri-Ladetechnik. Doch spätestens seit 2013, als der österreichische Spezialist für Schweiß- und Ladetechnik, Fronius, mit seinem Patent der Active Inverter Technologie mit RI-Ladeprozess auf dem Markt ist, dürfte zumindest der Überladungs- und Überhitzungsprozess von Blei-Säure-Batterien der Vergangenheit angehören. Der Ri-Ladeprozess geht nämlich gezielt auf den individuellen Zustand der Batterie ein und hält die Überladung so gering wie möglich. Gleichzeitig verringert die Fronius-Entwicklung den Energieverlust zu Beginn der Ladung sowie während der Nachladephase und senkt dadurch die Stromkosten und den CO2-Ausstoß. Zudem wird durch die besonders kühle und schonende Ladung die Lebensdauer der Batterien entscheidend verlängert. Und last but not least steigt die Sicherheit beim Ladevorgang und die Verfügbarkeit der Flurförderzeuge somit an.

     

Ri-Ladetechnik im Einsatz

Diese positiven Effekte macht sich nun FM Logistic, ein führender internationaler Dienstleister im Bereich von Lagerung, Transport und Verpackung, zunutze. Das Unternehmen hat sich den Einsatz ressourcenschonender Technologien auf die Fahnen geschrieben. In seinen Lager- und Distributionszentren in Polen setzt das Unternehmen deshalb auf eine Flotte von elektrisch betriebenen Flurförderzeugen – und auf Active Inverter Technologie mit RI-Prozess. Diese soll dem Unternehmen helfen, einen beträchtlichen Teil der benötigten Energie einzusparen, und darüber hinaus die Lebensdauer der teuren Blei-Säure-Akkus zu verlängern. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern senkt auch noch die Betriebskosten.

Die Verantwortlichen bei FM Logistic wissen, dass von der Rohstoffbeschaffung über Produktionsversorgung und Distribution bis hin zur Auslieferung an den Endkunden, die Logistik eine zentrale Rolle einnimmt.

Wettbewerbsfaktor Logistik

Die Verantwortlichen bei FM Logistic wissen, dass von der Rohstoffbeschaffung über Produktionsversorgung und Distribution bis hin zur Auslieferung an den Endkunden, die Logistik eine zentrale Rolle einnimmt. Und in der Tat: Ein schneller, effizienter und flexibler Materialfluss ist mittlerweile ein entscheidender Wettbewerbsfaktor, denn von ihm hängen Produktivität, Verfügbarkeit, Lieferfähigkeit und -qualität ab. Gleichzeitig werden die Warenströme in den globalen Wertschöpfungsnetzwerken immer komplexer. Sie intelligent und wirtschaftlich zu steuern, erfordert nicht nur entsprechende Kapazitäten, sondern auch ein umfassendes Know-how. Viele Unternehmen überlassen ihre Logistik-Prozesse daher professionellen Dienstleistern.

Professionelle Logistik. Zu den erfolgreichsten Betreibern auf diesem Markt zählt FM Logistic. Das 1967 in Frankreich gegründete Familienunternehmen ist Experte für sämtliche Aufgaben entlang der gesamten Lieferkette – von Warenlagerung und -handling über Transport und Distribution bis hin zur Unterstützung bei der Fertigung und Verpackung. Mit Niederlassungen in 13 Ländern, knapp 22.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von gut einer Milliarde Euro ist FM Logistic in seiner Branche international führend. Namhafte Lebensmittelhersteller und -händler, Kosmetik- und Pharmazieunternehmen sowie Vertreter der Elektronik- und Automobilindustrie setzen für einen reibungslosen Materialfluss auf die Dienstleistungen des Spezialisten. Die Lagerkapazitäten von FM umfassen mehr als 3,3 Millionen Quadratmeter Fläche, der Fuhrpark zählt rund 2.500 Fahrzeuge.

(Foto: Fronius)
Selectiva-Ladegerät (Foto: Fronius)

Technik verbessert Logistik

Besonders stark ist FM Logistic auf dem europäischen Kontinent vertreten – zum Beispiel in Polen: Hier verfügt das Unternehmen über insgesamt neun Logistikzentren und beschäftigt beinahe 3.000 Mitarbeiter. Der Hauptsitz der 1995 gegründeten polnischen Landesgesellschaft befindet sich in Mszczonów, südwestlich von Warschau. „Unsere Kunden erwarten von uns hochmoderne und leistungsfähige Logistik-Prozesse, die optimal an die jeweiligen Waren angepasst sind“, erklärt Mariusz Gajek, Technical Director CE bei FM Logistic. „Gerade bei sensiblen Produkten wie frischen Lebensmitteln oder Medikamenten erfordert das nicht nur eine Menge Know-how, sondern auch eine entsprechende technische Ausrüstung.“ Sowohl der Fuhrpark als auch die Logistikzentren des Unternehmens müssen daher immer auf dem neuesten Stand sein.

Nachhaltigkeit gefordert. Großen Wert legt FM Logistic dabei auf ressourcenschonende und nachhaltige Lösungen. Seit 2013 ist der Dienstleister Mitglied des Projekts Green Freight Europe, einer freiwilligen Initiative zur Verbesserung der Ökobilanz von Warentransporten über die Straße. Bei ihrem LKW-Fuhrpark etwa setzt die Firma auf sparsame und ökologische Lösungen, die den Ausstoß von CO2-Abgasen und Partikeln sowie die Lärmbelastung reduzieren. Möglich ist dies durch den Einsatz von Fahrzeugen mit Hybrid-, Elektro- und Flüssiggasantrieben. Innerhalb der Logistikzentren sorgen elektrisch angetriebene Flurförderzeuge für einen leisen, schadstoffarmen und gleichzeitig effizienten Materialfluss. Rund 600 Stück sind allein bei FM Logistic in Polen im Einsatz – und das oftmals im Drei-Schicht-Betrieb rund um die Uhr, auch an Wochenenden und Feiertagen. Viele der Stapler kommen so auf bis zu 5.000 Arbeitsstunden jährlich.

„Wir haben die neue Ri-Technologie bei uns auf die Probe gestellt. Die Testergebnisse waren beeindruckend.“ (Mariusz Gajek, Technical Director CE bei FM Logistic)

Ri-Ladetechnik: Energie sparen beim laden

Der Energieverbrauch der Flurförderzeug-Flotte stellt daher auch einen beträchtlichen Kostenfaktor dar. Im Zuge seiner Optimierungsmaßnahmen suchte FM Logistic nach Wegen, diesen zu reduzieren. 2014 nahm das Unternehmen dazu mit dem Batterieladetechnik-Spezialisten Fronius Kontakt auf. Der österreichische Technologieführer hat mit seinen Selectiva-Ladegeräten der neuesten Generation eine Lösung entwickelt, um Antriebsbatterien für die Intralogistik wesentlich energieeffizienter und gleichzeitig schonender zu laden. Das senkt den Stromverbrauch sowie den CO2-Ausstoß und verlängert gleichzeitig die Lebensdauer der teuren Blei-Akkus. „Wir haben die neue Technologie von Fronius bei uns auf die Probe gestellt. Die Testergebnisse waren beeindruckend“, erinnert sich Gajek.

(Foto: Fronius)
Der schonende Ladevorgang der Selectiva-Geräte reduziert bei FM Logistic die Überladung und damit den Energieverlust auf ein Minimum und erhöht die Lebensdauer der Batterien. (Foto: Fronius)

Individueller Ladeprozess. Die Selectiva-Geräte bieten mit dem neuartigen Ri-Ladeprozess einen entscheidenden Vorteil: Während andere Ladeverfahren nach festen Kennlinien arbeiten und dabei einen erheblichen Teil der eingesetzten Energie wirkungslos in Wärme umwandeln, richtet sich dieser nach dem Innenwiderstand (Ri) der angeschlossenen Batterie. Der wiederum hängt unter anderem von Alter, Temperatur und Zustand des Akkus ab. „Jeder Ladevorgang erfolgt nach einer individuellen Kennline“, erläutert Mateusz Kaleja, Fachberater bei Fronius Perfect Charging. „Das reduziert die Überladung und damit den Energieverlust auf ein Minimum.“ Durch den geringeren Stromverbrauch sinken nicht nur die Betriebskosten der Staplerflotte, sondern auch die CO2-Emissionen. Zudem wirkt sich der Ri-Prozess positiv auf die Lebensdauer der Batterien aus: „Weil sich der Akku beim Laden weniger erwärmt, bleibt seine Kapazität über einen längeren Zeitraum erhalten, die Ladung ist also schonender“, erklärt Kaleja.

Einfach zu bedienen und zuverlässig

FM Logistic setzt mittlerweile in mehreren seiner Logistikzentren in Polen Selectiva-Geräte in unterschiedlichen Leistungsklassen ein. Sie sind flexibel zum Laden verschiedener Batterien geeignet und einfach und sicher zu bedienen: Ein übersichtliches Display zeigt dem Benutzer auf einen Blick an, ob und wie lange der angeschlossene Akku bereits vollgeladen ist. „Wichtig ist nämlich, dass die Batterien auch Zeit zum Abkühlen bekommen“, weiß Gajek. „Das erhöht die Lebensdauer zusätzlich.“ Die optimale Einstellung der Kennlinie nimmt das Gerät automatisch vor, der Mitarbeiter muss die Batterie lediglich anschließen. Bedienfehler sind damit so gut wie ausgeschlossen. „Die Ladegeräte funktionieren absolut zuverlässig und problemlos“, betont Gajek. „Der Stromverbrauch ist im Vergleich mit der vorher eingesetzten Technik um bis zu 30 Prozent gesunken. Außerdem müssen wir die teuren Batterien seltener ersetzen“, fasst er zusammen. FM Logistic konnte dadurch die Kosten für den Betrieb seiner Staplerflotte deutlich reduzieren und gleichzeitig einen wichtigen Schritt in Richtung Energieeffizienz und Nachhaltigkeit machen. „Ich bin überzeugt, dass wir in Zukunft bei der Batterieladetechnik weiter die Lösungen der Firma Fronius beobachten.“

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