LIEBHERR MK 140 – Der kompakte Mobilbaukran

IFOY-Testbericht: Mit dem Mobilbaukran MK 140 von Liebherr nahm 2018 das erste Mal ein wahres Schwergewicht am IFOY Award teil. Hierfür wurde die neue Kategorie „Kran und Hebezeug“ kreiert.

IFOY-Diskussion: Gerade die Teilnahme dieses Krans sorgte in der IFOY-Jury für Diskussionen, denn für einige der Mitglieder stellte der Mobilbaukran MK 140 zunächst keine Logistiklösung dar, die dem IFOY-Award entspricht. Die Kritiker konnten jedoch mit folgenden Argumenten überzeugt werden:

  • Ob Stückgut oder Langgüter in einem Lager oder auf einer Baustelle mit Hilfsmitteln bewegt werden, ist es unerheblich, ob das mit einem Flurförderzeug, ein Kran im Lager oder draußen oder auf einer Baustelle mittels Mobilkran erfolgt. Es kommt auf die räumliche Begrenztheit an.
    Der Mobilbaukran MK 140 wird für die Baustellenlogistik eingesetzt und ist somit ein Gerät für die Bewältigung logistischer Herausforderungen.
  • Mit dem Mobilbaukran MK 140 bietet Liebherr ein kompaktes 5-Achs-Modell an, das durch enorme Reichweiten und Traglasten bei kompakten Abmessungen überzeugt. Mit dem VarioJib vereint der MK 140 die beiden Kransysteme Katzmodus und Wippmodus in einem Kranmodell. Die erreichbaren Hubhöhen bis 94 m und Ausladungen bis 65 m unterstreichen seine hohe Flexibilität und setzen neue Standards im Segment der Mobilbaukrane.

Dies zur Vorabinformation unserer Leserinnen und Leser.

liebherr.com

Basisdaten auf einen Blick 

Art Mobilkran
Antrieb Elektro/Diesel Hubgeschwindigkeit ohne Last lt. Hersteller – m/s-
Tragfähigkeit bis 8.000 kg Hubgeschwindigkeit mit Last lt. Hersteller 1,6 m/s
Eigengewicht 60.000 kg Senkgeschwindigkeit ohne Last lt. Herasteller – m/s
Verfahrgeschwindigkeit 1,5 m/s Senkgeschwindigkeit mit Last lt. Herasteller 1,6 m/s
Fahrgeschwindigkeit ohne Last – km/h Max. Hubhöhe lt. Hersteller 94 m
Energieverbrauch nach VDI-Arbeitsspiel – kWh/h Batterieanschluss
Batteriespannung – V Batteriekapazität – Ah
Batteriegewicht – kg
Leistung Fahrmotor – kW  Leistung Hubmotor  – kW
Schlepper Nennzugkraft – N
Kommissionierer/Kombigeräte Max. Greifhöhe
Bedienung Wired
Martkteinführung k.A.  Mitbewerber Spierings SK1265-AT6,
Spierings SK599-AT5
Produktionsstart k.A.

Beschreibung

Mit dem neu geschaffenen VarioJib ist der MK 140 der erste Kran, der die beiden Kransysteme Katzfahrbetrieb und Wippbetrieb in einem Kranmodell vereint. Diese Kransymbiose ist einzigartig und bietet den Mobilbaukranbetreibern Ausladungen und Hakenhöhen, die bislang nur mit Geräten erreicht wurden, die deutlich größer sind und eines enormen Rüstaufwands bedürfen.

Der Katzmodus, der wie bei allen MK-Modellen standardmäßig eingesetzt wird, überzeugt mit einer Ausladung von 58,5 m und einer maximalen Traglast von 1.900 kg an der Spitze. Diese Ausladung auf „nur“ 5 Achsen ist einmalig im Bereich der Mobilbaukrane.

Wippmodus. Mit dem zusätzlichen Wippmodus kann die Ausladung auf 60 m gesteigert werden, indem das Hubseil einsträngig über die Auslegerspitze geführt wird. Hiermit ist eine stufenlose Auslegerverstellung unter Last von -20° bis +70° möglich. Die notwendige Ausladung wird mittels Auf- und Abwippen des gesamten Auslegers erzielt. Die Umrüstung in diesen Modus wurde so konzipiert, dass sie nur von einer Person innerhalb von 15 Minuten durchgeführt werden kann. Es ergibt sich eine Traglast von 1.400 kg und eine maximale Hubhöhe von circa 90 m. Durch den Einsatz von zwei Auslegerverlängerungen kann die Ausladung auf bis zu 65 m und die Hubhöhe 94 m weiter gesteigert werden. Die Traglast beträgt dabei 1.000 kg. Beide Verlängerungen können ebenfalls während des vorhin genannten schnellen und einfachen Umrüstprozesses nur von einer Person einfach montiert bzw. demontiert werden.

Umrüstung. Der Wippmodus bietet somit dem Kranfahrer durch seine schnelle und einfache Umrüstung sowie durch die unterschiedlichen Auslegerlängen noch mehr Flexibilität auf der Baustelle. In diesem Modus können beispielsweise Hindernisse auf der Baustelle entweder überschwenkt oder untertaucht werden, ohne dass die Last vorher abgesetzt werden muss.

Rüstzustand. Des Weiteren ist der MK 140 der erste Mobil(bau)kran, der seinen gesamten Rüstzustand kennt und somit den Kranfahrer bei der Auswahl der richtigen Lastkurve unterstützt.

Durch die sensorgestützte Überwachung

  • des Ausschiebezustands der Schiebeholme für die Abstützungen,
  • der am Kran montierten Zusatzballastkomponenten,
  • des ausgewählten Kranmodus und
  • der montierten Anbauspitzen

wird dem Kranfahrer über das Display der Kransteuerung die zur Konfiguration des Krans passende Lastkurve vorgeschlagen.

Dadurch wird der Kranfahrer bei Konfiguration des Krans unterstützt, Falscheingaben bei der Konfiguration sind ausgeschlossen und somit ist ein sicherer Kranbetrieb möglich.

IFOY-Testbericht

Der Liebherr MK 140 ist ein einzigartiger Turmdrehkran, der dank des neuen VarioJib-Konzepts über zwei Betriebsmodi verfügt. Der Kran kann sowohl in Katz- als auch Wippmodus eingesetzt werden. Auf diese Weise bietet der Hersteller eine bislang unerreichte Flexibilität.

Im Katzmodus ist das Gestänge stufenlos verstellbar, so dass der Kran die Last in einem Radius von bis zu 65 Metern stufenlos bewegen kann. Die maximale Hakenhöhe beträgt nicht weniger als 94,4 Meter. Damit ist der Liebherr MK 140 der größte seiner Art.

Kompaktheit: Dennoch ist der Kran sehr kompakt: Der Wenderadius des Ballastes liegt innerhalb der Stempel und der maximale Pressstempeldruck beträgt 48 Tonnen.

Bewährtes Fahrwerk: Das 5-achsige Fahrwerk ist nicht neu, aber es gehört zur Spitze des Marktsegments. Mit einem Wenderadius von nur 11,51 Metern ist das Fahrzeug sehr wendig. Zum Vergleich: Der Wendekreis eines VW Golf beträgt 11,1 m.

Fahrmodi: Fünf verschiedene Fahrmodi (Straßenbedienung, Allrad, Kratzerlenker, reduzierte Neigung und unabhängige Hinterachssteuerung) machen das Manövrieren ebenfalls zum Kinderspiel, so dass der MK 140 an nahezu jedem Arbeitsplatz schnell eingesetzt werden kann.

Die Kranmontage wird vollständig überwacht und kann von nur einer Person durchgeführt werden. Während der Montage kann der Kran um 360 Grad gedreht werden. In Kombination mit den verschiedenen Montagekurven lässt sich der MK 140 einfach einstellen. Der Sicherheitsaspekt wird dabei nie außer Acht gelassen. Der Kranführer kann jederzeit eingreifen und die Geschwindigkeit und Richtung der Montage ändern. Bei mehrtägigen Arbeiten ist eine Demontage des Krans nicht erforderlich.

Die Bedienung und Montage des Krans erfolgt vollelektrisch. Schädliche Emissionen sind daher ausgeschlossen, abgesehen vom Transport zum und vom Arbeitsplatz.

Modierkennung durch Sensoren: Der Kran erkennt mit Hilfe von Sensoren den gewünschten Modus. Die intelligente Steuerung überwacht die Sicherheitsaspekte der Krankonfiguration, wie etwa die Stützweite, die Vorschaltgeräte, die montierten Auslegerköpfe und die Betriebsart. Der Kranführer erhält Vorschläge für die aktuelle Konfiguration des Krans und muss diese bestätigen. Dies garantiert einen sicheren Betrieb.

IFOY Testfazit:

Mit dem MK 140 erfüllt Liebherr seine Vorreiterrolle und bietet einen Mehrwert im Markt. Der Kran erreicht als mobiler Turmdrehkran höhere Reichweiten als je zuvor. Mit zwei Betriebsarten in einer Maschine bietet die Lösung zudem ein breiteres Anwendungsspektrum und deutlich mehr Flexibilität. Schnelle Verfügbarkeit wurde kombiniert mit kompakten Abmessungen.

IFOY-Innovation Check

Trotz einer Reduzierung der Gesamttransportlänge von 16,65 m auf 15,97 m im Vergleich zum Vorgängermodell konnte die maximale Ausladung im Standardkatzfahrbetrieb um 6,5 m und die maximale Hakenhöhe bei horizontalem Ausleger um 7 m gesteigert werden.

VarioJib – Kombination aus zwei Kransystemen

  • Katzmodus für schnellen Umschlagbetrieb mit Ausladung 58,5 m und Traglasten an der Spitze bis 1.900 kg
  • Wippmodus für Spezialeinsätze z.B. zum Ausweichen von Hindernissen mit Ausladung bis 65 m und max. Hakenhöhe 94 m

Automatische Rüstzustandserfassung zur Unterstützung des Kranfahrers bei der Konfiguration des Kran – Vermeidung von Falscheingaben

Marktrelevanz

Mobile Turmdrehkrane schließen seit etwa 20 Jahren die Lücke zwischen stationärem Turmdrehkran und Mobilkran. Sie vereinen den geringen Platzbedarf und den gut erschließbaren Arbeitsbereich des Turmdrehkrans mit der Mobilität und der schnellen Verfügbarkeit des klassischen Mobilkrans mit Teleskopausleger. Die große Auslegerweite von >50 m erschließt den Zugang über Gebäude hinweg. Zeitgleich werden sie entlang der Gebäudehöhe aufgebaut. Der Traglastbereich von 1,5 t ist für viele Aufgaben absolut ausreichend.

Die Kundensicht

Unterschiedlich Nutzergruppen profitieren von der Existenz mobiler Turmdrehkrane. Baustellenbetreiber finden eine Lösung für sporadische Hebe-/Transportaufgaben auf der Baustelle. Sie benötigen kein eigenes Kranpersonal und reduzieren die Mietkosten auf wenige Tage. Aufgrund des Katzbetriebes sind die Transportgeschwindigkeiten erheblich höher als beim Teleskopkran. Die zur Verfügung stehenden Arbeitsräume können aufgrund des zylindrischen Arbeitsbereiches wesentlich besser genutzt bzw. neue Zugangsmöglichkeiten (z.B. bei begrenzter Höhe) erschlossen werden.

Der Kundennutzen für Krandienstleister resultiert zunächst aus dem erheblich geringeren Fahrzeuggewicht, verbunden mit einer geringeren Achsanzahl. Das separat fahrbare Zusatzgewicht ermöglicht eine äquivalente Traglast deutlich schwererer Krane. Dadurch sind wesentlich geringe administrative Aufgaben im Rahmen von Genehmigungsfragen durchzuführen. Die Wegeplanung ist einfacher.

Der Neuheitsgrad

Der MK140 besitzt erstmalig die Kombination von Katzausleger und Wippausleger. Damit können bedarfsbezogen verschiedene Aufgaben besser erfüllt werden. Er besitzt eine wesentlich größere Hubhöhe als vergleichbare mobile Turmdrehkrane. Diese äußerst innovative Lösung ermöglicht somit eine erheblich gesteigerte Flexibilität. Eine umfangreiche sensorische Auswertung aller Last- und Umbauzustände überwacht permanent sowohl Auf- und Abbau als auch den sicheren Betrieb des Krans.

Funktionalität und Art der Umsetzung

Die Umsetzung kann ich jeder Hinsicht als mustergültig eingestuft werden. Zum Auf- und Abbau ist praktische nur eine Person erforderlich. Eigene Messungen zeigen für den Kranaufbau eine Zeitdauer <20min. Auch die jeweiligen Umbauten (Erhöhung des Gegengewichts, Umbau auf Wippausleger) liegen <20min.

 

Marktrelevanz +
Kundennutzen ++
Neuheits- / Innovationsgrad ++
Funktionalität  / Art der Umsetzung ++
++ sehr gut / + gut / Ø ausgeglichen / weniger / nicht vorhanden