KONJUNKTUR – Österreich im kräftigen Aufstieg

Aufstieg: Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator erreicht mit 4,4 Punkten im Oktober den höchsten Wert seit 10 Jahren. Das Wirtschaftswachstum von bis zu drei Prozent im Jahr 2017 soll auch den Aufschwung 2018 tragen.

(Foto: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt / pixelio.de)
Aufstieg: Österreich erfreut sich eines stabilen Wirtschaftswachstums. (Foto: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt / pixelio.de)

Nach einem BIP-Anstieg von durchschnittlich 2,9 Prozent im Jahresvergleich in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres spürt die österreichische Wirtschaft weiterhin kräftigen Rückenwind. Das ergab der jüngst veröffentlichte UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator. Er hat zu Beginn des Schlussquartals 2017 nochmal zugelegt und erreicht mit aktuell 4,4 Punkten sogar den höchsten Wert seit über zehn Jahren. „Mit einem starken Schlussquartal wird in Österreich ein Wirtschaftswachstum von bis zu drei Prozent erreichen, der höchste Wert seit 2007“, meint UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer.

„Mit einem starken Schlussquartal wird in Österreich ein Wirtschaftswachstum von bis zu drei Prozent erreichen, der höchste Wert seit 2007.“ (Stefan Bruckbauer, Chefökonom UniCredit Bank Austria)

Alle Komponenten wachsen. Für den aktuellen Anstieg haben fast alle Komponenten beigetragen und unterstreichen damit die breite Basis, auf der das Wirtschaftswachstum in Österreich derzeit steht, so die Analysten. „Mit Beginn des Schlussquartals hat sich die Stimmung in der österreichischen Wirtschaft allgemein nochmal verbessert. Insbesondere der Dienstleistungssektor sowie auch die Industrie sind zuversichtlicher geworden. Zudem hat der Optimismus unter den Konsumenten weiter zugenommen, während sich die Hochstimmung in der Bauwirtschaft konsolidiert hat“, so Bruckbauer.

Konjunkturindikator: Stimmung besser als Realität

Den stärksten Einfluss auf den Anstieg des Konjunkturindikators im Oktober hatte die deutliche Verbesserung des Konsumentenvertrauens. Nach einer über längere Zeit sehr skeptischen Haltung, hat sich unter heimischen Konsumenten 2017 im Gleichschritt mit der Verbesserung der Lage am Arbeitsmarkt eine zunehmend optimistische Einstellung verbreitet. Auch die Stimmung im Dienstleistungssektor geht weiter deutlich nach oben.

Passt nicht ganz. Während sich die Lage am Bau bei anhaltend guter Auftragslage positiv stabil darstellt, verbessert sich die Stimmung in der heimischen Industrie vor allem auch aufgrund der Nachfrageimpulse aus dem Ausland weiter. Das mit dem österreichischen Außenhandel gewichtete globale Industrievertrauen hat den höchsten Stand seit Juli 2007 erreicht. Allerdings fallen die im Indikator enthaltenen Stimmungswerte mittlerweile generell überdurchschnittlich gut aus und passen seit einigen Monaten nicht ganz mit den in der Folge einlangenden realen Wirtschaftsdaten überein. Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator dürfte daher derzeit die tatsächliche Wachstumsdynamik der österreichischen Wirtschaft etwas überschätzen.

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Mit durchschnittlich 2,1 Prozent wird die Teuerung im Jahresdurchschnitt 2017 spürbar über den 0,9 Prozent des Vorjahres liegen. (Foto: Thorben Wengert / pixelio.de)

Selbsttragender Aufschwung 2018

Das derzeitige Stimmungsumfeld spricht dafür, dass sich der Aufschwung der österreichischen Wirtschaft im Jahr 2018 fortsetzen wird. Nach der Belebung des globalen Handels, von der die heimische Exportwirtschaft starke Impulse erhielt, sind die Investitionen kräftig in Schwung gekommen. Der Konsum hat in der Folge die nachlassenden positiven Effekte der Steuerreform von 2016 gut wegstecken können. Gestützt von der Inlandsnachfrage und einem soliden globalen Wachstum wird der Konjunkturaufschwung in Österreich 2018 an Stabilität gewinnen und sich normalisieren. „Der sich mittlerweile selbsttragende Aufschwung wird 2018 einen BIP-Anstieg in Österreich um 2,4 Prozent ermöglichen. Diese Normalisierung des Wachstumstempos verglichen mit dem besonders kräftigen drei Prozent des Jahres 2017 ist auf zwei wesentliche Faktoren zurückzuführen: Erstens auf die geringfügig negativen Auswirkungen des Kursanstiegs des Euros für die heimische Exportwirtschaft und zweitens auf ein Nachlassen der Dynamik der Investitionstätigkeit, bedingt durch die bereits lange Dauer der sehr kräftigen Aufschwungsphase sowie durch die Verschiebung des Fokus von Ersatz- zu Erweiterungsinvestitionen“, meint UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.

Inlandsnachfrage treibende Kraft. Die Inlandsnachfrage bleibt die treibende Kraft der österreichischen Wirtschaft, wenn sich auch Investitionswachstum und Konsumdynamik etwas verlangsamen dürften. Neben der guten Stimmung unter den Unternehmen, insbesondere in der Kapitalgütererzeugung und am Bau, wird die Investitionstätigkeit 2018 weiterhin durch eine Kombination aus steigender Profitabilität und solider Liquidität der Unternehmen gestützt sowie von den günstigen Finanzierungsbedingungen begünstigt.

Staat kassiert wieder. Dem privaten Konsum werden 2018 zwar fiskalische Impulse wie durch die letzte Steuerreform voraussichtlich fehlen, doch werden vor allem das hohe Beschäftigungsplus sowie ein sich langsam verstärkender Lohndruck für Einkommenszuwächse sorgen. Wenn auch der Kursanstieg des Euros die heimische Exportwirtschaft etwas belastet, wird die Unterstützung durch den globalen Handel fast unverändert anhalten, zumal der Handel im europäischen Binnenmarkt vom Wechselkurs unberührt und damit ungebremst florieren dürfte.

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Der kräftige Konjunkturaufschwung wird sich weiterhin positiv am österreichischen Arbeitsmarkt bemerkbar machen. (Foto: I-vista / pixelio.de)

Konjunkturindikator: Arbeitsmarkt profitiert

Der kräftige Konjunkturaufschwung wird sich weiterhin positiv am österreichischen Arbeitsmarkt bemerkbar machen. Das Beschäftigungswachstum wird sich im Gesamtjahr 2017 auf durchschnittlich 1,8 Prozent erhöhen. Das bedeutet ein Plus von insgesamt rund 65.000 Jobs im Vergleich zum Vorjahr. Der starke Anstieg des Arbeitskräfteangebots überwiegend bedingt durch Migration aus anderen EU-Ländern kann damit erstmals seit 2011 mehr als kompensiert werden, sodass die Anzahl der Arbeitssuchenden um 15.000 zurückgehen wird. „Die Arbeitslosenquote wird 2017 auf 8,6 Prozent sinken. Auch 2018 wird der kräftige Aufschwung für eine Verbesserung am Arbeitsmarkt sorgen. Wir sind optimistisch, dass das Beschäftigungswachstum mit 1,4 Prozent im Jahresvergleich hoch genug ausfallen wird, um für einen weiteren Rückgang der Arbeitslosenquote auf 8,2 Prozent im Jahresdurchschnitt 2018 zu sorgen“, meint Pudschedl.

Inflation über zwei Prozent

Eine Schattenseite der guten Konjunktur zeigt sich dagegen bei der Inflationsentwicklung. Die Teuerung ist in den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres auf durchschnittlich 2,1 Prozent gestiegen. Zum einen hat der Aufschwung in Österreich nachfrageseitig zu erhöhtem Preisdruck nach oben geführt. Dies spiegelt sich vor allem in Preisschüben bei einigen Dienstleistungen im Tourismus, bei Freizeit- und Kulturtätigkeiten wider sowie vor allem demografisch bedingt bei Wohnungsmieten. Zudem hat sich der seit Herbst wieder höhere Ölpreis in der Inflation niedergeschlagen.

Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator dürfte die tatsächliche Wachstumsdynamik der österreichischen Wirtschaft etwas überschätzen.

Ölpreis treibt Teuerung. 2018 ist von einem Anstieg der Rohölnotierung von durchschnittlich 62 US-Dollar pro Barrel auszugehen, nach etwa 55 im Jahr 2017. Dieser Ölpreisanstieg sollte in seiner Wirkung auf die Inflation in Österreich jedoch etwas abgefedert werden, da die Ökonomen der UniCredit Bank Austria eine anhaltende Stärkung des Euros gegenüber dem US-Dollar erwarten. „Mit durchschnittlich 2,1 Prozent wird die Teuerung im Jahresdurchschnitt 2017 spürbar über den 0,9 Prozent des Vorjahres liegen. Für 2018 erwarten wir aufgrund höherer Ölpreisannahmen nunmehr eine gleichbleibende Inflation von 2,1 Prozent, wobei weiterhin der nachfrageseitige Aufwärtsdruck bei Dienstleistungspreisen der bestimmende Einflussfaktor auf die Inflation in Österreich sein wird“, so Bruckbauer abschließend.

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