HAFEN WIEN – Wien stärkt Drehscheibe weiter

Der Hafen Wien erwirtschaftete im Jahr 2017 einen höheren Umsatz als 2016 und auch mehr Gewinn. Treiber der Entwicklung sind u.a. die Betriebs-Ansiedelungsstrategie des Hafens, der Autoterminal und die Digitalisierung.

Heute, 13. Juni, präsentierte Neo-Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke gemeinsam mit Wien Holding-Geschäftsführerin Doris Rechberg-Missbichler sowie den beiden Hafen-GeschäftsführerInnen Fritz Lehr und Doris Pulker-Rohrhofer die Bilanz des Hafen Wien für das Jahr 2017 – und damit eine positive Entwicklung der österreichischen Logistik-Drehscheibe. Nach dem Rekordergebnis im Jahr 2016 hat der Hafen Wien nämlich auch im Jahr 2017 sowohl seinen Umsatz als auch seinen Gewinn steigern können. Mit 58,1 Millionen Euro hat der Hafen Wien seinen Umsatz um 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Das Ergebnis vor Steuern lag im Jahr 2017 bei rund 14,8 Millionen Euro und konnte somit gegenüber dem Vorjahr um rund 16,5 Prozent gesteigert werden.

Hohes Investitionsvolumen. Gleichzeitig hat der Hafen Wien im Jahr 2017 investiert und zwar insgesamt 18,7 Millionen Euro. Das ist mehr als doppelt so viel wie im Jahr 2016 mit 7,9 Millionen Euro. „Mit der vorliegenden Bilanz konnte der Hafen Wien seine Position als starker Wiener Wirtschaftsstandort weiter ausbauen. Der Hafen Wien ist einerseits eine nationale und internationale trimodale Logistikdrehscheibe für die Verkehrswege Wasser, Schiene und Straße. Andererseits ist er ein starker Standort für Wiener Betriebe, wo sich mittlerweile über 100 Unternehmen mit mehr als 5.000 Arbeitsplätzen angesiedelt haben. Wir bauen den Hafen Wien in beiden Bereichen weiter aus, um seine Position als verlässlicher und schlagkräftiger Partner für die Wirtschaft nachhaltig zu stärken und investieren dazu allein im Jahr 2018 11,1 Millionen Euro“, so Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke gegenüber den Medien.

Strategie geht auf. Doris Rechberg-Missbichler, interimistische Geschäftsführerin der Wien Holding ergänzt: „Mit unserer Strategie konnten wir die Wettbewerbsfähigkeit entscheidend erhöhen. Wir haben heute mehr Lager- und Stellflächen denn je, haben die Flächen für das Autoterminal neu organisiert und die LKW-Abfertigung durch digitale Systeme hochgerüstet, um nur einige Beispiele zu nennen. Und es ist uns gelungen, zahlreiche neue Unternehmen auf Grundstücken des Hafen Wien wie zum Beispiel dem HQ7 neu anzusiedeln. Besonders erfreulich: Zur Umsatz- und Gewinnsteigerung haben neben den Betriebsansiedlungsprojekten auch der Umschlag via Schiff (6,7 Prozent mehr Umsatz), das Autoterminal mit einem Umsatzplus von 8,5 Prozent sowie die Personenschifffahrt (plus acht Prozent beim Umsatz) erheblich beigetragen.“

(Foto: Eva Kelety)
v.l.: F. Lehr, D. Rechberg-Missbichler, D. Pulker-Rohrhofer, P. Hanke (Foto: Eva Kelety)

Attraktiv für Betriebsansiedelungen

Doch dürfte auch die Betriebsansiedlungs-Strategie des Hafens aufgehen. Neben den Unternehmen der Hafen Wien-Gruppe haben auf dem über drei Millionen Quadratmeter großen Hafenareal mittlerweile mehr als 100 Unternehmen der Speditions- und Transportbranche sowie anderer Wirtschaftszweige ihren Firmensitz. Somit sind auf dem Standort heute mehr als 5.000 Mitarbeiter beschäftigt. Vor diesem Hintergrund wurden im Jahr 2017 weitere Flächen für Betriebsansiedlungen entwickelt. So wurde ein sechs Hektar großes Grundstück in der 7. Haidequerstraße für potenzielle Unternehmen komplett erschlossen. Auf dem Areal, das HQ7 genannt wird und so groß ist wie acht Fußball-Plätze nebeneinander, befinden sich Büros, Werkstätten, Lagerhallen, Garagen und Parkplätze. Beim HQ7 handelt es sich um die größte Betriebsflächenerweiterung des Hafen Wien seit Gründung des Hafens in seiner heutigen Form im Jahr 1979. „Die Verwertung ist in vollem Gange. Bis dato beträgt die Auslastung bereits rund 75 Prozent. So werden dort nun die Autos für die Mietwagenfirma Sixt aufbereitet, Kolariks Freizeitbetriebe haben Lagerflächen gemietet, die Fahrzeugflotte der Post oder von Car-To-Go werden am Standort gewartet. Und ein Lebensmittelhersteller wird ab 2018 Popcorn-Produkte produzieren. Aber auch als Dreh- und Standort für heimische Filmproduktionsfirmen boomt das HQ7. So sind hier Szenen aus ‚Soko Donau‘ oder Teile des Kinofilms ‚Die letzte Party deines Lebens‘ gedreht worden“, berichtet Fritz Lehr, kaufmännischer Geschäftsführer des Hafen Wien.

Neues Flächen-Business. Aber auch auf anderen Flächen im Hafen Wien gibt es Neugeschäft zu vermelden. Im Hafen Albern wurde ein neues Betonwerk (Easy Beton) errichtet. Und der Autohändler Wiesenthal hat seine Flächen vergrößert. Ebenso wurde im Hafen Freudenau Anfang 2017 das neu erbaute 3.500 Quadratmeter große Gebäude für Wiener Wohnen Haus- und Außenbetreuung in Betrieb genommen. In dem neuen Betriebsgebäude befinden sich Hallen, Büros, eine Schlosserei sowie eine Werkstätte für Gerätewartungen von Motoren, Häckslern und Schneepflügen. Rund 100 MitarbeiterInnen finden an dem neuen Standort ihren Arbeitsplatz. Das Zentrallager für die ganze Wiener Hausbetreuung ist hier ebenso untergebracht.

Starker Wettbewerb im Containergeschäft

Nach Jahren des Rückgangs bzw. der Stagnation liegt auch die Donauschifffahrt wieder im Aufwärtstrend. Ursache dafür dürfte u.a. auch die gesamtwirtschaftliche Entwicklung der Wirtschaft in Europa sein, welche Frachträume auf Straße und Schiene derzeit verknappen. Somit konnte auch Wien seinen Schiffsumschlags verbessern. In den Häfen Freudenau, Albern und Lobau konnte eine Steigerung von 6,7 Prozent erzielt werden. Insgesamt wurden somit rund 1.050.000 Tonnen per Schiff umgeschlagen, um 66.000 Tonnen mehr als im Vorjahr (2016: 984.000 Tonnen). Es wurden 1.156 Schiffe abgefertigt, das entspricht einer Steigerung von fünf Prozent.

Besseres Containergeschäft. Das machte sich auch im Containergeschäft des Hafens bemerkbar. Die WienCont – das größte Containerterminal und -depot Österreichs und Tochter des Hafen Wien – wickelte im Jahr 2017 rund 405.000 Containerumschläge ab. Das ist um acht Prozent weniger als im Vorjahr. Der Rückgang ist mit dem neuen ÖBB Güterzentrum Wien Süd in Inzersdorf verbunden. Ursprünglich wollten Hafen Wien und ÖBB mit einer gemeinsamen Gesellschaft beide Terminals betreiben, um im globalen Logistikgeschäft als wichtiger Player auftreten zu können. Doch die Bundeswettbewerbsbehörde signalisierte, dass eine solche Lösung keine Zustimmung finden würde. Diese Rahmenbedingungen sind zwar nicht erfreulich, aber zu akzeptieren.

(Foto: RS Media World)
Hafen Wien: Nach Jahren des Rückgangs bzw. der Stagnation liegt auch die Donauschifffahrt wieder im Aufwärtstrend. (Foto: RS Media World)

Auf dem Weg zum Digitalen Hafen

Auch die Digitalisierung treibt der Hafen Wien voran und begegnet den Herausforderungen mit Effizienzsteigerungen, dem Ausbau der Digitalisierung, einer weiteren Erhöhung der Servicequalität sowie einer Markt- und Vertriebsoffensive. Soe wurde Ende 2017 der LKW-Abfertigungsprozess aufgerüstet. Damit wird der Abfertigungsprozess der LKW beschleunigt und vereinfacht, ein Asset, das für die Branche ganz besonders wichtig ist. Beim neu entwickelten und speziell auf das WienCont-Terminal zugeschnittenen Terminal Operating Managementsystem (TOM) werden mittels Systemschnittstellen (Betriebsleitumschlagssystem und Gate Operating System) die Nummern der Ladeeinheiten bzw. Kennzeichen der LKWs zunächst durch ein OCR-Fotogate (optical character recognition) bei der Einfahrt in den Terminal registriert und automatisch mit den schon hinterlegten Kundendaten abgeglichen.

Eigenentwicklung. Eine eigens entwickelte Applikation ermöglicht ein Avisieren von LKW und Ladungen bereits im Vorfeld – direkt durch die bzw. den FrächterIn oder die bzw. den OperateurIn. Die Ladeeinheiten werden an einer von vier Check-IN Lanes überprüft, die bzw. der FahrerIn kann sich beim Self-Check-IN Kiosk anmelden und wird automatisch dem jeweiligen LKW-Halteplatz zugewiesen. Der Self-Check-IN ist in neun verschiedenen Sprachen direkt durch die FahrerInnen bedienbar. Auch die neu eingeführten ILU Codes können verarbeitet werden. In den zwei Ausfahrtsbereichen im Terminal 1, Terminal 2 und Terminal 3 werden die ausfahrenden LKWs durch neueste Line Scan Kameras hochauflösend digital abgelichtet und durch OCR mit den gespeicherten Systemdaten verglichen. Nur bei exakter Datenübereinstimmung ist ein Ausfahren möglich.

Lager besser ausgelastet

Noch nie gab es so viele Lager- und Stellflächen wie derzeit im Hafen Wien. Nach der Spitzenauslastung von 73 Prozent der Lager-Flächen im Jahr 2016 hat sich im Jahr 2017 die Lagerauslastung bei rund 67 Prozent eingependelt. Der Hafen konnte Zuwächse bei Containerstauungen sowie ein Umsatzwachstum bei bestehenden KundInnen erreichen. Der Trend geht im Jahr 2018 nach oben und die Lagerauslastung liegt in den ersten fünf Monaten 2018 bei 74 Prozent.

Autoterminal im Plus. Rund 64.000 Fahrzeuge wurden im Autoterminal umgeschlagen. Zwar sind das weniger Fahrzeuge als im Vorjahr, jedoch ist die Verweildauer der Fahrzeuge im Hafen Wien um rund 20 Prozent gestiegen, sodass der Umsatz in diesem Bereich ein Plus von 8,45 Prozent verzeichnet. Die prozentuelle Flächenauslastung im Autoterminal ist von 77 Prozent im Jahr 2016 auf 84 Prozent im Jahr 2017 geklettert.

Logistiklösungen für „letzte Meile“

Der Hafen Wien und das Institut für Produktionswirtschaft und Logistik der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) haben im Jahr 2017 den thinkport VIENNA gestartet. Ein Innovationslabor für urbane Logistik mit dem Ziel, güterlogistische Innovationen in Wien zu entwickeln, zu testen und umzusetzen. „Der Hafen Wien und thinkport VIENNA verstehen sich dementsprechend als offene und breite Plattform, die für alle Unternehmen, BürgerInnen, Wissenschaft und Organisationen, die an Innovationen im Bereich nachhaltiger urbaner Logistik interessiert sind, offen ist. Dazu zählen neben der gesamten Verkehrs- und Logistikbranche auch alle Wirtschaftstreibenden, für die eine funktionierende Logistik eine wirtschaftliche Notwendigkeit ist – vom Handelskonzern bis zum Handwerksbetrieb“, berichtet Doris Pulker-Rohrhofer, technische Geschäftsführerin des Hafen Wien.

Innovationen im Labor. Das thinkport VIENNA Innovationslabor wurde am Gelände des Hafen Wien in der Freudenauer Hafenstraße 18 eingerichtet. Bezogen wurde das Lab vom thinkport Team im Juli 2017. Zur Verfügung stehen über 300 Quadratmeter Bürofläche für Workshops, Technologiedemonstrationen, Büros und Innovationsevents. Insgesamt konnten im ersten Jahr zirka 800 Personen in den Räumlichkeiten des thinkport VIENNA über die Leistungen des Labs informiert werden. In Summe konnten inklusive externer Veranstaltungen bereits über 1.565 Personen direkt mit thinkport VIENNA-Inhalten erreicht werden.

Mobilität der Zukunft. Im letzten Call des neuen Programmes „Mobilität der Zukunft“ des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie wurden aktiv neun Innovationsprojekte an thinkport VIENNA herangetragen. Zusätzlich werden derzeit drei Innovationsprojekte direkt mit Unternehmen bearbeitet.

Hochwasserschutztor für Hafen Albern

Auch im Jahr 2018 wird kräftig weiter investiert und ausgebaut. Dafür hat der Hafen Wien 11,1 Millionen Euro veranschlagt. Die größte Einzelinvestition davon ist mit 1,5 Millionen Euro für die Planungs- und Vorbereitungsarbeiten für das Projekt „Hochwasserschutztor Hafen Albern“ vorgesehen. Nach dem Vorbild im Hafen Freudenau soll nun auch der Hafen Albern ein Hochwasserschutztor erhalten. Mit konkreten Planungs- und Vorarbeiten wurde bereits begonnen.

hafen-wien.com