ESTABLISHMENT – Die Zeit der Marktmacht ist vorbei

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HaJo Schlobach (Foto: Jan Gott)

Das Establishment wehrt sich mit Händen und Füßen gegen disruptive Entwicklungen durch Digitalisierung, Internet of Things oder Industrie 4.0. Denn die Disruption gefährdet ihre Marktmacht. Doch es gibt mehr Profiteure der „4. Industriellen Revolution“ als „Geschädigte“. Und diese sitzen im Mittelstand.

Kaum ein Themenkomplex treibt derzeit die Wirtschaft derart um, wie Industrie 4.0, Internet of Things (IoT) und die Digitalisierung. Vor allem begeistern sich die meisten an den Möglichkeiten, welche diese Entwicklungen der Technik eröffnen. Und viele bekommen leuchtende Augen, wenn sie auf Tesla, autonom fahrende Vehikel oder gar menschliche Robots zu sprechen kommen, welche uns den Alltag wenn nicht gar versüßen, so doch zumindest vereinfachen sollen.

Aufbruch in Stuttgart

Auch auf der heurigen LogiMAT 2018 in Stuttgart bestimmt dieser Themenkomplex das Geschehen. Es gibt nahezu kein Unternehmen, welches sich nicht irgendwie damit beschäftigt und eine Lösung für irgendetwas anbietet, was die Supply Chains effizienter machen soll. Wir werden dort eine Aufbruchstimmung erleben dürfen, welche anderen Branchen noch immer fremd ist und möglicherweise auch immer fremd bleiben wird. Zu Recht, denn es ist absehbar, dass sie durch Industrie 4.0, IoT und Digitalisierung schlichtweg vom Markt verschwinden werden. Ihre Services werden in absehbarer Zeit nicht mehr gebraucht. Dazu zählen zum Beispiel KfZ-Versicherer, Steuerberater aber auch Hersteller von Ampelsystemen u.dgl. Und so mancher aus der Transportbranche wird sich erheblich anpassen müssen, will er nicht von den Entwicklungen überrollt werden…

Establishment hauptsächlich betroffen

In der Tat: Die Entwicklungen sind Revolutionär oder, wenn der Ausdruck nicht genehm ist, disruptiv. Tangiert sind davon letztlich alle Branchen, zumindest in der industrialisierten Welt. Wirklich betroffen ist davon jedoch lediglich das „Establishment“, sprich: die Unternehmen, welche heute die Marktmacht besitzen und die Supply Chains beherrschen. Zum sogenannten Establishment gehört freilich die Automobilindustrie, an der sich derzeit – zumindest innerhalb der EU – immer noch 60 Prozent der Gesamtwirtschaft orientieren. Auch der Maschinenbau ist davon betroffen. Das sind Schlüsselindustrien in Deutschland und Österreich, welche den Wohlstand dieser Ökonomien ausmachen. Aber auch der Handel steht vor Entwicklungen, die für ihn disruptiv sind. Auch hier wird mittelfristig kein Stein auf dem anderen bleiben. Denn durch die Digitalisierung können auch kleinere Handelseinheiten ihre spezifischen Märkte bearbeiten und sind nicht mehr auf die Distributionskraft des Handels angewiesen. Warum sollten Erzeuger nicht direkt beliefern oder über neue Distributoren, die keine Händler sind? Amazon macht es vor, kleinere Einheiten können und werden mit Sicherheit folgen. Ergo: Auch der Handel verliert mit der disruptiven Entwicklung zunehmend seine Macht. Es zählt immer weniger, wer wo in welchem Regal steht. Dafür muss man kein Hellseher sein.

Die Ermöglicher der Disruption

Vom Establishment werden daher durchaus Zukunftsängste bei den Menschen geschürt. Doch dafür gibt es wahrlich keinen Grund. Denn es gibt eindeutig Profiteure dieser Entwicklung; und die sitzen nicht nur in Silicon Valley. Die Profiteure dieser Entwicklung treffen sich beispielsweise jährlich auf der LogiMAT in Stuttgart bzw. zweijährlich auf der CeMAT in Hannover. Wir kennen sie unter dem Pseudonym „Intralogistik“ und diese Branche boomt. Das hat einen Grund: Die Unternehmen der Intralogistik i.w.S. sind zwar selbst auch Teil von Industrie 4.0 und der digitalen Entwicklung. Sie sind aber auch Treiber derselben, denn sie unterstützen die Disruptoren des Establishments. Ohne die Intralogistik-Branche könnte kein Tesla der Welt, könnte kein Amazon und könnte kein Zalando bestehen und seine Services und Leistungen realisieren.

Zukunftsängste unnötig

Die Intralogistik ermöglicht also die Disruption, denn sie liefert die Hilfsmittel, welche die Distribution der Losgröße 1 erst wirtschaftlich machen. Folgerichtig ist die Intralogistik-Branche außerordentlich expansiv. Wer die Entwicklung der LogiMAT von Anfang an mitgemacht hat, wie etwa der Autor dieser Zeilen, konnte beobachten, wie sich diese Messe von einem sehr lokalen Event auf dem alten Messegelände auf dem Stuttgarter Killesberg zum größten Logistik-Event der Logistikbranche gemausert hat. Dabei sind heute Unternehmen, die vor ein paar Jahren noch nicht einmal denkbar waren. Und in den nächsten Jahren werden weitere hinzukommen. Industrie 4.0 und Digitalisierung sei Dank. Die Zukunft ist also gesichert.

Ihr Hans-Joachim Schlobach
(hjs(at)journalismus.at)

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